Was macht man eigentlich in einer Psychotherapie?

Sonntag, 16. Dezember 2018


Sich in eine Psychotherapie zu begeben hat immer noch etwas Geheimes, etwas von einem Tabu. Die Hemmschwelle eine Therapie zu beginnen ist immer noch recht hoch.  
 
Erstgespräch. Ich begrüße Herrn K. und geleite ihn in mein Arbeitszimmer. Wir setzen uns. Herr K schaut mich an, atmet einmal tief ein und öffnet seine Hände. „Jetzt bin ich endlich da, also machens einmal...“
Ich muss innerlich ein wenig schmunzeln. Was erwartet er sich? Wer weiß, vielleicht erwartet er die peinlichsten Momente erzählen zu müssen oder glaubt, ich würde ihn jetzt hypnotisieren und so sein Problem „wegmachen“. Ich erkläre also zuerst mal freundlich, dass ich gar nichts „machen“ werde, dass eine Psychotherapie so nicht funktioniert.
 
Psychotherapie bedeutet immer gemeinsame Arbeit.
 
Wie aber sieht diese gemeinsame Arbeit aus?
Die gemeinsame Arbeit kann sehr unterschiedlich gestaltet werden, die einzelnen Therapieschulen verfolgen bisweilen recht unterschiedliche Ansätze. Allen gemeinsam jedoch ist die Interaktion zwischen Therapeut und Klient.
 
In meinem Fall, als Gestalttherapeut, bedeutet das, dass der Dialog im Mittelpunkt steht. Die Gestalttherapie ist sehr erlebnisorientiert, es wird also immer wieder nach dem „Wie?“ und nicht nur nach dem „Warum?“ gefragt. Verstehen ist wichtig und kann einen große Veränderung nach sich ziehen. Aber bisweilen reicht das Verstehen alleine nicht aus. Dafür gibt es in der Gestalttherapie eine Vielzahl von Experimenten und anderen erlebnisaktivierenden Interventionen. Ziel der Gestalttherapie ist immer persönliches Wachstum und mehr Lebendigkeit.

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