Wie Gefühle entstehen

Samstag, 29. September 2018 - in Gefühle

Eine kleine Einführung


Gefühle sind der Motor unserer Handlungen und damit entscheidend dafür, was wir erleben und vor allem, wie wir erleben. Dieses Wissen ist ein machtvoller Schlüssel zur Veränderung.
Das Nichtwissen oder Nichtbeachten leider allzu oft der Weg in tiefes Leid.
 
In einer Psychotherapie konzentrieren wir uns auf Gefühle, weil sie der Kompass zu uns selbst sind. Es lohnt sich also, sich mit Gefühlen zu beschäftigen.
 
Lassen Sie mich Ihnen zwei Annahmen vorstellen, die als Erklärung für die Entstehung von Gefühlen taugen.
 
 
Annahme 1: Gefühle entstehen durch Gedanken
 
Kein Gefühl ohne Gedanken. Mit Hilfe von Gedanken deuten wir Situationen, Emotionen folgen unmittelbar und lösen eine bestimmte Handlung aus. Der ganze Vorgang geschieht blitzschnell und bleibt in der Regel unbewusst.
 
Beispiel: Ein Mensch, dem Sie vertraut haben, hat sie hintergangen (Situation). Sie denken „Man kann niemandem mehr vertrauen.“ (Gedanke) und werden traurig (Gefühl).
 
Hier liegt der Fokus auf den Gedanken. Veränderung der Gefühle erfolgt durch Veränderungen in Ihrem Denken.
 
 
 
Annahme 2: Gefühle entstehen durch Bedürfnisse
 
Gefühle entstehen bei dieser Annahme in Situationen genau dann, wenn sich ein Bedürfnis erfüllt oder eben nicht. Erfüllt es sich nicht, dann erleben wir „negative“ Gefühle. „Positive“ Gefühle weisen uns darauf hin, dass sich ein Bedürfnis soeben erfüllt hat.
 
Beispiel 1: Sie haben gerade einen Vortrag gehalten und das Publikum applaudiert Ihnen. Sie freuen (Gefühl) sich, weil Sie gerne Anerkennung (Bedürfnis) bekommen.
 
Beispiel 2: Als Sie es sich auf Ihrer Terrasse gerade gemütlich gemacht haben und in Ruhe einen Kaffee trinken wollen, beginnt Ihr Nachbar mit einer lauten Arbeit (Situation). Sie werden ärgerlich (Gefühl), weil Ihnen Ruhe und Entspannung (Bedürfnis) wichtig sind.
 
Hier geht es darum, sich seiner Bedürfnisse bewusst zu werden und darauf zu achten, dass sie sich auch erfüllen. Sinnvoll kann es aber auch sein, die Ursache der eigenen Bedürfnisse zu erforschen. Oft liegen die eigentlichen Bedürfnisse tief verborgen und sogenannte „Pseudobedürfnisse“ liegen darüber.
 
 
In beiden Annahmen entstehen Gefühle immer in einem selbst. Gefühle werden nie von außen hervorgerufen, nichts und niemand hat diese Macht.
 
Beispiel: Sie hören, dass ein Bekannter eines Freundes von Ihnen betrogen wurde. Sie denken: „Das ist schlimm“ und machen sich um ihre eigene Beziehung Sorgen (Angst). Ihr Freund denkt: „Das passiert mir sicher nicht.“ Er ist eher gleichgültig (Gleichgültigkeit). 
Dieselbe Situation im Außen ruft also bei ihnen beiden sehr unterschiedliche Gedanken und damit verschiedene Gefühle hervor.
 
Solange wir uns aber nicht um unsere Bedürfnisse und Gedanken kümmern, drohen wir zum Opfer unserer Gefühle zu werden.Wollen wir nicht zum Opfer unserer Gefühle werden, müssen wir sie ernst nehmen und sie als Navigationsinstrument durch unser Leben nutzen lernen. Außerdem müssen wir genau erforschen, warum wir in bestimmten Situationen so denken oder bestimmte Bedürfnisse haben.

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